Kleine Umweltsünder

Die hier beschriebenen kleinen Beispiele zeigen, dass man beim Umweltschutz immer genau hinsehen sollte. Wie mein Beitrag zur Energiesparlampe zeigt, wird gerne ein Potemkinsches Dorf aufgebaut, mit der Aufforderung, den angeblich so großen Mangel zu beseitigen oder es werden gedankenlos Dinge gekauft, die wenig Wert für die Umwelt haben oder Artikel erwecken durch ihre Beschreibung den Eindruck, besonders umweltfreundlich zu sein.

Im folgenden möchte ich dazu einige kleine Beispiele aus vorstellen, mit denen ich selbst Erfahrungen sammeln durfte.

Stecker-Nachtleuchte

Diese kleine Nachtleuchte fand ich einmal in einem Angebot bei ALDI-Süd. Preis und Funktionsangebot waren unwiderstehlich für mich. Diese Steckerleuchte arbeitet mit 3 LEDs und soll dadurch sehr sparsam sein. Noch interessanter ist allerdings die Kombination mit dem Bewegungsmelder und Dämmerungsschalter. Im Modus ‘AUTO’ sind beide aktiv, und die Lampe wird nur eingeschaltet, falls sich in der Nähe etwas bewegt und es gleichzeitig dunkel ist. Die Lampe ist damit für Schlafräume sehr gut geeignet, das Licht ist nicht zu grell und wenn man sie gut platziert, geht sie wirklich nur an, wenn man das Bett verlässt.

Eine Überraschung fand ich dann bei einer kleinen Leistungsmessung: Im Modus ON und wenn die LEDs im Modus AUTO leuchten, nimmt die Lampe 0,7 W Leistung auf. Wenn die Lampe nicht leuchtet und sich dabei im Modus AUTO befindet, nimmt sie überraschenderweise etwas mehr Leistung auf, nämlich 0,8 W.

Zugegeben ist die Differenz ein vernachlässigbar kleiner Betrag. Trotzdem finde ich ihn nicht erklärlich und den Gedanken, dass ein Nachtlicht weniger Strom braucht, wenn man es den ganzen Tag brennen lässt, statt seine automatische Abschaltung zu nutzen, empfinde ich als widersinnig.

LED-Nachtlicht mit Bewegungs-
und Dämmerungssensor von REV

Die Tassimo

Kraft Foods lässt seit einigen Jahren erst von Braun, inzwischen von Bosch eine kleine Kaffeemaschine namens Tassimo (siehe Wikipedia Artikel ‘Tassimo’) vermarkten, die mit fertigen Kartuschen arbeitet. Vermutlich wurde Kraft durch den Erfolg der Senseo (Philips, siehe Wikipedia Artikel ‘Senseo’) ermutigt, für seine Kaffee-Produkte ein solches Gerät als Vehikel anzubieten.
Weil meine Familie nichts gefunden hat, was ich wirklich brauchen könnte, bekam ich dann Weihnachten 2006 eine Tassimo 3107 geschenkt.

Die Senseo kommt mit einfachen Pads (Kaffee in Filterpapier eingepackt und vorkonfektioniert) aus, diese sind bei verschiedenen Anbietern erhältlich und es können auch wiederverwendbare Adapter für den Kaffee in die Senseo eingesetzt werden. Gebrauchte Pads können in die Biotonne entsorgt werden. Alles in allem eine gleichermaßen umweltfreundliche wie komfortable Methode, um gelegentlich eine frische Tasse Kaffee zu brauen.

Kraft hat -so scheint es mir- das Geschäftsmodell der Hersteller von Tintenstrahldruckern adaptiert: Kaffee, Tee, Kakao und Milch werden in kleine Kunststoff-Kartuschen (T-DISCs genannt) verpackt und mit einer Alu-Folie versiegelt. Nach diesem Geschäftsmodell operieren auch andere Hersteller (siehe Wikipedia-Artikel ‘Kaffeepadsystem’) Die Kosten fangen bei etwa 25 ct je T-DISC an.

Ein Barcode auf der T-DISC und ein Barcodeleser im Gerät lässt die Maschine erkennen, was wie aufzubrühen ist. Ein Espresso kostet damit 1 T-Disc (25 ct je Tasse), manche Sorten werden für 29 ct oder 37 ct je T-DISC angeboten, bei Cappuccino ist je eine T-DISC Espresso und eine T-DISC Milch erforderlich (~ 50 ct je Tasse) und bei Latte Macciato eine T-DISC Espresso und eine doppelte T-DISC Milch (~ 0,62 ct je Tasse). Alle Preise sind Erfahrungswerte aus den Supermärkten meiner Umgebungund liegen etwa im Bereich der Preisreferenz des Kraft Food Online Shops.

Die T-DISCs sind aus Kunststoff mit auffällig großer Wandstärke ausgeführt, leer wiegen sie ca. 5-6 g und ich konnte weder alternative Anbieter für T-DISCs noch wiederauffüllbare Discs finden - wie ich herausfand, gibt es Patente von Kraft, die ich im Wikipedia-Artikel zur Tassimo nachgetragen habe. Jede wiederbefüllbare Disc müsste einen eigenen Barcode haben, damit die Maschine ihr Verhalten passend zum Getränk steuern kann.

Geschmacklich lässt sich nichts negatives über die Tassimo sagen, jeder bescheinigte ihr gute Arbeit. Allerdings hat auch noch niemand gesagt, er habe den besten Kaffee seines Lebens von meiner Tassimo bekommen …

Dieses Geschenk hat mich zumindest dazu erzogen, meine Wünsche das ganze Jahr über in einer kleinen Liste zu pflegen. Diese kann ich dann rechtzeitig vor Geburtstag und Weihnachten an interessierte Kreise verteilen, so dass ich auf diese Weise hoffentlich keine Geschenke mehr à la Tassimo erhalte.

Tassimo 3107

T-DISCs für Kakao (links, Vorderseite)
und Espresso (rechts Rückseite)