Wissenschaftliche Literatur
Denkste! Trugschlüsse aus der Welt der Zahlen von Walter
Krämer ist ein sehr unterhaltsames, leicht verständliches und
lehrreiches Buch über Statistik. Bei Krämers Beruf (Prof. für
Wirtschafts- und Sozialstatistik, Uni Dortmund) ist es außerordentlich
verwunderlich, daß er so unprofessoral schreiben kann.
Krämer deckt die Dummheiten oder auch raffinierten statistischen Tricks
auf, z.B. warum Verheiratete länger als Unverheiratete leben müssen,
warum Faber mit seinem Lotto-System trotzdem gewinnt (raffinierterweise gewinnt
Faber nicht auf Kosten der Lottogesellschaft, sondern auf Kosten der anderen
Lottospieler), wie Hütchenspieler und andere Gauner das Publikum
bescheißen, und, und, und ...
Besonders hübsch sind Krämers kleine Bösartigkeiten:
In der ADAC-Motorwelt war einmal die folgende Schlagzeile zu lesen:
Der Tod fährt mit! Vier von zehn tödlich verunglückten
Autofahrern trugen keinen Sicherheitsgurt ... Wenn wir weiter nichts
von dem Verkehrsgeschehen wissen, bleibt uns nur diese Überlegung
übrig: Zehn Autofahrer sterben, die meisten davon angeschnallt, also
Hände weg von diesem Teufelsding ....
2. Auflage, Campus-Verlag 1996, ISBN 3-593-35349-0. Aus preislichen Gründen
sollte man nach der Taschenbuchausgabe dieses Buches suchen (andere ISBN).
So lügt man mit Statistik stammt ebenfalls aus der Feder von
Walter Krämer. Der Titel ist clever gewählt: Die Gauner und Opfer
kaufen es gleichermaßen, um zu erfahren, wie sie mit
objektiven Zahlen manipuliert werden. Beispiel: Warum leben
Dirigenten länger als der Durchschnitt ? Gemeinerweise liegt es daran,
daß als Dirigent nur der gezählt wird, der im Alter von vielleicht
30 Jahren ein solcher geworden ist. Wer vorher stirbt, war kein Dirigent
und kann daher den Durchschnitt der Dirigenten nicht drücken. Umgekehrt
ist das Leben als Student saugefährlich, denn Studenten sterben sehr
jung - wenn sie sterben, dann sind sie meist unter 40. Und leichtsinnigerweise
schläft Krämer sogar in einem Bett, obwohl die meisten Menschen
darin sterben. Er weist auf die beliebte Verwechslung von Kausalität
(ursächlichem Zusammenhang) und Korrelation (statistisch errechnetem
Zusammenhang) hin und demonstriert dann mit einer selbstgefälschten
Statistik, daß Fluglärm AIDS verursacht. Krämer bereichert
dies durch zahlreiche andere erheiternde Beispiele. Campus Verlag, 8. Auflage
1998, ISBN 3-593-35689-9, 29,90 DM.
Mein paranormales Fahrrad hat Gero von Randow herausgegeben. Das Buch
ist eine sehr unterhaltsame Sammlung von enttarntem, pseudowissenschaftlichem
Mist. Um die Untersuchung von solchem Zeugs (von Randow unterscheidet etwas
genauer als ich zwischen Parawissenschaften und
Pseudowissenschaften) kümmert sich das amerikanische
Commitee for the Scientific Investigation of Claims of the
Paranormal und dessen deutscher Ableger, die Gesellschaft zur
wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Aus dem Hausblatt
Skeptical Inquirer des amerikanischen Verbandes stammen eine
Reihe von Nachuntersuchungen von allseits bekannten Wahrheiten,
beispielsweise die folgende über subliminale Werbung: In den 50er Jahren
hat James Vicary als Ergebnis seiner Untersuchungen behauptet, daß
man durch kurze Einblitzungen von Sätzen wie Iß
Popcorn und Trink Cola in einen Film, den Verkauf erhöhen
kann. Der Witz dabei soll sein, daß der Zuschauer diese Botschaften
nicht bewußt wahrnimmt, weil sie so kurz sind, wohl aber unbewußt
aufnimmt und dann die entsprechenden Botschaften als eigene Wünsche
betrachtet.
Ich selbst erinnere mich an einen Film aus der clever gemachten Inspektor
Columbo-Reihe, in denen dieses Motiv aufgegriffen wurde und an ein
TV-Magazin, welches nach der zweiten/letzten Wiederwahl von Francois Mitterand
über angebliche Einblitzungen in Fernsehsendungen zu Gunsten
Mitterands und ein Amnestiegesetz für Wahlbetrügereien nach der
Präsidentenwahl in Frankreich berichtete.
Doch James Vicary soll bereits 1962 zugegeben haben, daß seine
Untersuchungen nur dazu dienten, um für ein schlecht laufendes
Marketing-Unternehmen neue Kunden zu gewinnen (der Marketig-Gag ist ihm wirklich
gelungen) - in den USA wurden Einblitzungen verboten obwohl keine
spätere Untersuchung je irgend einen Erfolg von Einblitzungen
nachweisen konnte.
Was uns das Buch anhand seiner zahlreichen Beispiele wirklich sagen will:
Selber Denken ist besser als persönlich zu Glauben. Viele Menschen glauben
nicht mehr, statt dessen ist Wissenschaft ihre Ersatzreligion, und sie glauben
gerne etwas, wenn das Etikett Wissenschaftler haben
herausgefunden... draufklebt.
rororo, ISBN 3-499-19535-6, 14,90 DM
Gehrtsen Physik von Helmut Vogel. Dieses ist vermutlich ein Standardwerk
welches inzwischen wahrscheinlich in der 20. Auflage auf dem Markt ist. Das
Buch weiß auf fast alles eine Antwort, was mit Physik zu tun hat. Die
Bilder sind klar und einfach strukturiert, der Text ist interessant geschrieben
und das Beste überhaupt sind die Aufgaben. In den meisten Fragen geht
es nicht um stures Grundlagenrechnen, sondern um typische Kopfball
und Knoff-Hoff-Show-Fragen wie:
-
Koloraturbaß: Sarastros getragene Platitüden gegen die
glitzernden Koloraturen der Königin der Nacht - sind die Männer
so schwerfällig, oder gibt es physikalische Gründe ? Hinweis: Wie
lange muß ein Ton dauern, damit er die erforderliche Reinheit hat ?
-
Seemannsgarn: Ist es wahr, daß untergegangene Schiffe in einer
gewissen Tiefe schweben bleiben, weil das Wasser in der Tiefe viel dichter
ist ?
Springer Verlag, ISBN 3-540-59278-4.
Löcher im All von Paul Halpern ist ein Buch für Freunde
der Kosmologie. Wer Stephen Hawkings Stil (Eine kurze Geschichte der
Zeit, Einsteins Traum) und schwarze Löcher mag, ist
mit diesem Buch bestens bedient. Zu den Themen gehört unter anderem
die Konstruktion von Wurmlöchern, die als Stargate arbeiten,
die Frage nach Zeitreisen oder wie man schwarzen Löchern den
Ereignishorizont raubt. Hinter allem stehen Ergebnisse von Überlegungen
und Berechnungen, die sich aus der Quanten- und Relativitätstheorie
ergeben. rororo, ISBN 3-499-60356-X, 16,90 DM
Schriftliche Arbeiten im naturwissenschaftlich-technischen Studium von
der DUDEN-Redaktion hört sich eigentlich recht trocken an. Die erschreckende
Vielzahl von Normen und Empfehlungen wie DIN 4898 Gebrauch der
Wörter dual, invers, reziprok, äquvalent und
komplementär oder VDI-Richtlinie 2270 Adjektivbildungen
mit ...los und ...frei spielt sich allerdings mehr im
Quellenverzeichnis ab. Der Rest ist eine Anleitung mit vielen schönen
Beispielen und guten Ideen. Das Büchlein zeigt, daß gutes Layout,
aussagekräftige Grafiken und klarer Aufbau einer Arbeit bestens harmonieren
können. Die ganzen Tips gibts für 16,80 DM, ISBN 3-411-06271-1.